Über der Bühne schwebt der Tod – sowohl als barock umrankter goldener Totenschädel als auch in Form einer überdimensionalen Feile, der Waffe mit der Elisabeth, Kaiserin von Österreich, ermordet wurde.
Die Handlung des Musicals von Michael Kunze und Sylvester Levay hat nichts gemein mit dem bittersüßen Sissi-Filme-Bild. Sie ist ein psychologisches und politisches Portrait Elisabeths und ihrer Zeit und zeigt wie sich die Kaiserin getrieben nach und nach aus dem goldenen Käfig befreit, dabei aber bewusst oder unbewusst auch über Leichen geht. Immer wieder tanzt sie mit dem Tod, der sie anzieht und ihr seine Liebe verspricht.
Es ist eine andere Art von Gänsehaut, wenn Sissi in den werbenden Armen des Todes liegt und ihm dennoch lange den endgültigen Kuss verwehrt – die Hauptdarsteller lassen es auf der Bühne knistern.
Elisabeth reift während der Vorstellung vom jungen, unbekümmerten Mädchen zu einer verbitterten älteren Frau, die gehetzt von ihren eigenen Dämonen vor sich selbst und vor der Hofetikette flieht und irgendwann resigniert aufgibt.
Die Rollen sind perfekt besetzt. Vor allem Annemieke van Dam als Elisabeth sowie Musicalstar und Originalbesetzung aus Wien Uwe Kröger als Tod begeistern.
Ein karges Bühnenbild, jedoch voller Effekte, wird durch eine intelligente Bildprojektion zum Schauplatz der Geschichte, durch die als Conférencier und Kritiker der spätere Attentäter Luigi Lucheni (Bruno Grassini) führt.
Der bunte, üppig kostümierte Hofstaat in Wien kontrastiert gekonnt zum Schwarz/Weiß des Todes und seiner vier Engel.
Die Melodien sind eingängig und wiederholen sich charakterbezogen und leitmotivisch.
Insgesamt eine erstaunliche und geniale Musical-Produktion, die einen den ganzen Abend und länger fesselt. Das Premierenpublikum dankt es dem Ensemble mit minutenlangen stehenden Ovationen.
Susannah V. Vergau
Elisabeth residiert vom 18.12.09 – 14.01.10 in der Alten Oper in Frankfurt.
Bildquelle: Alte Oper Frankfurt / Anna Meuer (1.+3.) & www.elisabeth-das-musical.com / Herbert Schulze (2.)
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