…. platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne.”
Über das Leben schreiben viele, jedoch nur wenige so wie Saša Stanišićs. In dem ihm sehr eigenen modernen, humorvollen Schreibstil begleitet er in dieser teils autobiographischen Geschichtensammlung Menschen jeglichen Alters, jeglicher Herkunft und Heinrich Heine auf einem kurzen, aber entscheidenden Weg ihres Lebens, oft eines Scheidewegs. Sie wollen die Zukunft “anprobieren”, erinnern die Vergangenheit, kämpfen in der Gegenwart mit dem Memory-Spiel (gegen das Kind, die Frau und sich selbst) oder es bleibt einfach plötzlich die Zeit komplett stehen.
Durch Stanišićs’ häufig von Kurzsätzen und plötzlichen Gedankensprüngen geprägte Sprache, rutscht der Leser sofort auf eine Ebene, auf der er die Akteure zu kennen scheint (oder vielleicht sich selbst wiedererkennt?!) und damit hinein in die Geschichten über Abschied und Neubeginn, Entscheidungen und unerwartete Wendungen. Und wenn man genau hinsieht, kann man die kleinen Bögen erkennen, die der Autor zwischen den Geschichten spannt.
Es fällt schwer, dieses Buch aus der Hand zu legen und es hallt noch lange in den Gedanken nach. Klare Leseempfehlung!
Susannah V. Vergau
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